eilt nicht mi dem Schauen

unter Pflicht

entsteht kein sinnendes Sehen

kein Zugang zur Zeit

es eilt nicht

mit dem Schauen

und der Klang

wächst aus Stille

Bilder werden

zeitig erkennbar

und Worte

stellen sich unerwartet ein

                                                 Fritz Bremer

ein gutes Wort

zum Beispiel

hell

einlegen

in Süßsauer

für die lange

Winterzeit

                               Fritz Bremer

 

verlässlich

                   (für Jakob van Hoddis)

verlässlich dieser Posten längst verlassen

der Fahrer gerbt schon das Gestell

junge Katzen spielen in der Morgensonne

der Förster gerbt dem Wald das Fell

kleine Mäuse huschen über große Füße

Diplomaten schwimmen gerad noch

100 Meter schnell

Spaziergänger schnappen Luft auf Weiden

im Aufzug hängt der Direktor vom Hotel

glühend rot hängt die Sonne da am Abend

die Wirklichkeit übt Purzelbaum und

rythmisch klatschen

ach, Marianne, wie du das machst

so hingegossen, so ausgestreckt

weiß und aromatisch

                                                   Fritz Bremer

                                           

heute ist alles anders

heute ist alles anders

die gänse rufen polyphoner

das Radio bleibt still

atem findet raum

das licht der morgensonne

so tief leuchtend

da bereitet sich etwas vor

ein neuer versuch

immerundimmerwieder

frühing will´s werden

                                         

                                     Thomas Böndell

zuFall

eine hummel fliegt

fliegt weit aufs meer hinaus

rätselhaft

da unten

auf wilder berg & talfahrt

ein boot

mit heimathafen im

wiesengrunde

am heck ein

bunter wildblumenstrauß

zuFall

                                         Thomas Böndell

äpfel des glücks

bei ganz besonderen

lichtverhältnissen

einem

weich-melancholischen sonnenschein

umfächelt von

würzigen seeluft-feen

lege ich

roßäpfel

auf den gepäckträger meines rades

balanciere sie

in einem großen bogen

über das eiland

und gebe sie

an einen Busch roter rosen

                                     Thomas Böndell

blickfang

ein nebliglau sommerschwall

verirrt in herbstgezeiten füllt den koog

gen osten verwehter ulmenwuchs schützt nahnsens hof

verästelt stürme in winde

in dieser nacht thronen die lüfte

feuchten dämpfe

tröpfeln wasser

dichten 

suchen ihren halt

schwellen an zum fall

tönen trockenspritzig ab im blattklang

taktvoll großer tropfenchor

synkopenreigen

stillstand

doch da im innenhof

in weißdunklen schwaden

da leuchten feurig augen

glitzert silbrig blattwerk

tanzen keckeifrig flämmchen im kronenwuchs

lecken an fruchtigen wangen

sinne umpfangen freudiges fest nehmen teil

lassen dankbar sich bewirten

mitten im tropfenfall

                                              Thomas Böndell